jeudi 23 septembre 2010

3 Die ersten Tonfilme und das Ende der Weimarer Republik 1929-1933

1929 gibt es eine Weltwirtschaftskrise, die eine Staatskrise in Deutschland verursacht. Die extremstischen Parteien und Gegner der Weimarer Republik profitieren von dieser Krise: Die extremischen Parteien erhalten großen Zuwachs von Arbeitslosen und Verarmten.1 1930 ist die Partei von Hitler (NSDAP)2 bei den Reichstagswahlen die zweitstärkste Partei. 1932 entwickelt die NSDAP ein Arbeitsbeschaffungprogramm, das Sozialreformen und einen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit vorschlägt. 1933 gibt es mehr als 6 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Am 30. Januar 1933 wird Hitler unweigerlich zum Reichskanzler ernannt. Das ist das Ende der Weimarer Republik.


Seinerseits erlebt die Kinowelt eine neue Revolution: der Tonfilm (auch Sprechfim oder Klangfilm genannt). Das erste System heißt das Vitaphone System:


''Bei diesem Nadeltonverfahren wurde der Filmprojektor mit Schallplatten verbunden, die durch eine Nadel abgetastet wurden.'' 3


Andere Systems und neue Techniken ersetzen später des Vitaphone System.

Der erste Tonfilm kommt 1927 in den USA heraus und heißt The Jazz Singer4 von Al Jonson. 1929 gründet die UFA moderne Studios, und adaptiert die neue Technologie, wird jedoch mit einer anderen Produktionsfirma im Wettbewerb stehen: Tobis. Das Kino kennt nun eine Doppelentwicklung zwischen Superproduktionen und kleine Produktionen, die verletzlich sind, aber einen eigenen Flair besitzen. 1929 kommen 175 Stummfilme und 8 Tonfilme heraus. 1930 sind es 101 Tonfilme und nur noch 45 Stummfilme. 1932 sterben die Stummfilme aus.5

Wegen des Zuwachs der Arbeitlosigkeit, der Gewalt, der Polarisierung des politischen Lebens und wegen der latenten Zerstörung der Demokratie muss das deutsche Kino sich zu äussern und sich auszudrücken. Sowohl pazifistische Filme als auch militärische Film erscheinen, viele kündigen eine harte Realität an.


3.1 Der Blaue Engel (1929/1930) von Josef von Sternberg

(mit Emil Jannings [Der Professor Rath] und Marlene Dietrich [Lola Lola]

Nach dem Roman von Heinrich Mann Professor Unrat (1905)

Der Professor Rath ist ein Professor, dessen Schüler ihn nicht mögen. Sie nennen ihn sogar 'Professor Unrat'. Als er erfährt, dass seine Schüler den Club Der Blaue Engel besuchen und, dass eine Tänzerin und Sängerin namens Lola Lola sie 'verführt', geht er in diesem Club, um seinen Schüler die Flausen auszutreiben. Aber als er die lazsive und ungewönliche Schönheit der Tanzerin Lola Lola sieht, ist es für ihn wie ein Blitzschlag. Sie heiraten. Rath verliert seine Stelle als Professor und fängt eine Karriere als Clown an. Er ist sehr eifersüchtig auf einen jungen Franzose, der seine Frau verführt. Bei der letzten Vorstellung muss er in seiner ehemaligen Stadt vorspielen. Alle Einheimischen, ehemaligen Bekannte und Schüler sind da, um seine Clownsnummer zu schauen und ihn auszulachen. Gedemütigt und verrückt geht er zu seinem ehemaligen Klassenzimmer, wo er stirbt.

Der Blaue Engel wird ein richtiger Welterfolg als er herauskommt. Lola Lola (Marlene Dietrich) stellt das Bild einer neuen emanzipierten Weiblichkeit dar. In der Tat, während der ersten Weltkrieg ersetzen Frauen Männer und schaffen damit eine gewisse Unabhängigkeit. In der Weimarer Republik haben die Frauen einen neuen Status, sie sind nämlich Angestellte und Arbeiterinnen. Die Gleichbereichtigung zwischen Männern und Frauen ist im Kommen. Die Röcke werden immer kürzer, Frauen tragen Hosen und Bubiköpfe. Lola Lola verkörpert die emanzipierte Frau, in der alle Frauen sich identifizieren können. Aber Lola Lola verkörpert auch die Erotik, die Versuchung und den Reiz, etwas was die Morale und die guten Sitten stören. Der Film ist in dieser Zeit sehr umstritten wegen der gewagten Kleidungen von Lola Lola und wegen ihres erotischen Liedes: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.1 Die Künstlerinnen wie Lola Lola in dieser Epoche kommen aus einem niedrigen Milieu, in dem es keine Morale gibt. Ihre einzige Hoffnung, aus diesem Milieu herauszukommen, ist einen reichen Mann zu heiraten. Vermutlich heiratet Lola Lola deshalb den Professor Rath.

Der Film zeigt auch wie schwer es ist, ''von dem bürgerlichen Weg abzuweichen''. 2 Es ist in dem Film deutlich dargestellt. Als der Professor Rath mit der Künstlerin Lola Lola zu verkehren beginnt, verliert er seine Stelle als Professor, eine respektierte Stelle, in der man gut verdient. Da beginnt der Niedergang Raths: er hat keine Arbeit mehr, kein Geld, keine Anerkennung und Respekt mehr und wird anschließend gedemütigt. Sein Äußeres verändert sich, und er sieht immer ungepflegter und kranker aus, was deutlich zeigt, dass er sozial immer weiter absteigt


''Äußerst wichtig für Ansehen und soziale Anerkennung war die korrekte Kleidung, die immer noch an die Uniform erinnerte, welche in der wilhelmische Gesellschaft eine so große Rolle gespielt hatte. Auch der Professor Rath ist anfänglich sehr auf seine korrekte Kleidung bedacht, der lange Rock erinnert stark an einen Uniformmantel, und ohne seinen Hut fühlt er sich äußerst unwohl. Mit seiner fortschreitenden Dekadenz wird aber auch seine Kleidung immer ungepflegter.''3

Im Hintergrund des Filmes erinnert die strenge Erziehung der Männer in der Schule an die militarische Disziplin und Gehorsmakeit. In einer Zeit, in der Deutschland schwach ist, ist die Disziplin überwichtig.


''Aus den Jungen sollten harte Männer werden, die keine Schwäche zeigen durften. Das Bürgertum konnte die Zeit der schwäsche Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg nicht vergessen. Es sollte alles getan werden,damit Deutschland wirtschaftlich und militarisch wieder erstarkte.'' 4


Zwischen dem Buch Professor Unrat in Jahr 1905 und dem Film Der Blaue Engel im Jahr 1930 gibt es einige Veränderungen, weil die Epoche nicht die gleiche in den beiden Werken ist. Das Buch ist eine Kritik an die Wilhelmischen Gesellschaft. Als der Film gedreht wird, ist das wilhelmische Kaiserreich nicht mehr aktuell und die Geschichte greift die Politik nicht so sehr wie das Buch an. Das erklärt sich vermutlick dadurch, dass der Vorsitzender der Deutsch-Nationalen Volkspartei und Generaldirektor der UFA Alfred Hungenberg sich die Monarchie wiederwünscht. Da das Buch eine Kritik an der Monarchie ist, sollen die politischen Angriffe in dem Film natürlich verschwinden.5


3.2 Depressionsmusical und Filmkomödie


Die Dreigroschenoper (1931)6 von G.W. Pabst als Film erscheint als expressionistisches Kammerspiel und Musical. Die Musik von Kurt Weil wird vom Jazz, der aus den USA inspiriert. Dieses Musical nennt man auch 'Depressionsmusical'. 'Depressionsmusical' sowie Filmkomödien sind sehr beliebt in dieser Depressionszeit, sie sind eine Zuflucht und Ablenkung der grausamen und schwierigen Realität, eine Realität die von der weltwirtschatlichen Krise, von der hohen Arbeitslosigkeit7 und der katastrophalen sozialen Situation geprägt ist.8


3.3 Das Testament des Dr. Mabuse (1933) von Fritz Lang

(mit Rodolph Klein-Rogge [Dr. Mabuse])

Der wahnsinnige Dr. Mabuse wird in ein Irrenhaus angewiesen. Dr. Mabuse kontrolliert durch Hypnose den Leiter des Irrenhaus. Da beginnen eine Serie von mysteriösen Morden und Verbrechen, die von einer Verbrecherorganisation verübt sind, deren Führer Dr. Mabuse ist. Die Polizei versteht diese sinnlosen Morde nicht. Ein Mitglied der Organisation namens Kent denunziert Dr. Mabuse an einen Kommissar. Der Dr. Mabuse ist bereits verstorben; aber seine Pläne aus seinem schriftlichen Testament werden durch die Verbrecherorganisation und den Geist des Dr. Mabuse weiter ausgeführt.

1929-1933 stehen gruselige und beängstigende Filme wieder im Rampenlicht, wie M, eine Stadt sucht einen Mörder (1931) und Das Testament des Dr. Mabuse von Fritz Lang, wo die Figur des Tyrann und des Mörders sehr präsent ist. Es erinnert auch an Caligari.

Es gibt eine Szene, in der der Doktor Mabuse einen Brand legt, ein Symbol seiner Machtergreifung durch das Verbrechen. Das Testament des Dr. Mabuse kommt nämlich nach dem Brand des Reichstags und nach der offiziellen Eröffnung des ersten Konzentrationsanlagers heraus und ist vermutlich ein Hinweis auf die Realität und der Machtergreifung Hitlers. Nach dem Kinomacher Fritz Lang liefert den Film eine Anti-Nazi Botschaft.1

Ein Zensor interpretiert den Film aber anders und sieht darin ein Lehrbuch für Kommunisten, um terorriste Akte zu verüben.2 Der Film wird verboten und Lang verlässt Deutschland.


1Bernard Eisenschitz, Le cinéma allemand, Paris, 2004, S. 53

2Ebd., S. 53

1Franz Moellmann, Cinéma et littérature, Deutsches Kino und Literatur, Matériaux pour l'étude de la langue et de la civilisation allemandes, Paris, 1996, S. 13

2Ebd., S. 16

3Ebd., S. 16

4Franz Moellmann, Cinéma et littérature, Deutsches Kino und Literatur, Matériaux pour l'étude de la langue et de la civilisation allemandes, Paris, 1996, S. 17

5Ebd., S. 13

6 Nach dem Theaterstück von Berthold Brecht Die Dreigroschenoper(1928),

Nach dem Oper The Beggar's Opera (1728) von John Gay

71929 gibt es 2 Millionen Arbeitsloser in Deutschland, 1931/32 sind sie 6 Millionen.

8Siehe Kapitel 3 Die ersten Tonfilme und das Ende der Weimarer Republik 1929-1933, S. 7

1Franz Moellmann, Cinéma et littérature, Deutsches Kino und Literatur, Matériaux pour l'étude de la langue et de la civilisation allemandes, Paris, 1996, S. 21

2NSDAP: Nationalsozialistische Deutsche Arbeitspartei

3 Film der Weimarer Republik: http//www.filmportal.de

4 Der Film handelt von dem Aufstieg des armen jüdischen Sängers Jakie Rabinowitz zum Star.

5 Monika Bellan, 100 ans de cinéma allemand, Paris, 2001, S. 48

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